Ceremonial Start in Anchorage – Teil 1

Zeitig Aufstehen war angesagt! Um 5.30 Uhr Hunde laden, um 6.00 Uhr Abfahrt Richtung Anchorage – so der Plan. Bis um spätestens 8 Uhr müssen wir in Anchorage sein. Um 5.30 Uhr klopft es an meiner Tür. Verspäteter Weckruf von Sarah, da sie dachte ich sei schon wach. Sarah weckte Lisbet, während ich schnell meine Sachen zusammenpackte. Wir luden das Rennteam ein, dann waren auch schon JP und Kari da und wir brachen auf. Es war relativ warm und es vielen dichte Flocken nassen Schnees auf unsere Windschutzscheibe als wir Willow verließen.

 

P1080627

Musher’s Check-in im strömenden Regen

Je näher wir Anchorage kamen, desto häufiger sahen wir die Dog Trucks anderer Teams auf dem Highway und desto weniger Schnee lag. Der nasse Neuschnee verwandelte sich nach Wasilla in heftigen Regen. Not good! Kurz vor Anchorage überholte uns DeeDee Jonrowes Truck. An einer Ampel bog der Truck von Lance Mackey ein und wir passierten nach ihm die Kontrollstelle, die nur Rennteams weiterfahren lässt. Lautstarke Parkeinweiser brachten uns zu dem für unseren Truck vorgesehenen Platz. Wir parkten in einer Nebenstraße der 4th Avenue. Auf der rechten Straßenseite parkten die ungeraden Startnummern, auf der linken die geraden. Wir parkten gegenüber von Lev Shvarts, einem Freund der Familie Norris mit der Startnummer 40. Für ihn ist es sein Rookie-Jahr, da ihm letztes Jahr der Schlitten zerbrach und er aufgeben musste. Vor uns parkte Isabelle Travadon, eine französische Musherin, die zum ersten Mal am Iditarod teilnimmt und in Europa vielen Schlittenhundefans bekannt sein dürfte. Hinter uns Anna Berington, die das Iditarod seit 3 Jahren fährt. Sie zählt hier in Alaska zu den bekannten Gesichtern, auch weil ihre eineiige Zwillingsschwester Kristy ebenfalls seit 5 Jahren regelmäßig am Iditarod teilnimmt – Mushing im Doppelpack sozusagen. Kurz nachdem wir geparkt hatten, hörte es zu unser aller Freude auf zu regnen.

 

Der Ceremonial Start in Anchorage findet in der 4th Avenue in der Innenstadt von Anchorage statt. Dafür werden jedes Jahr in der Nacht vor dem Start tonnenweise Schnee herbeigeschafft und ein elf Meilen langer Trail bis zum Campbell Airstrip präpariert. Dieses Jahr sollte der Trail hauptsächlich aus Schneematsch, Wasserpfützen und schneefreien Stellen bestehen. Nicht einfach für die Musher und die Handler auf den Tag Sleds, da es einige 90 Grad Kurven zu bewältigen galt. Doch bevor es losgehen konnte, gab es noch viel zu tun!

 

P1080632

Ein Vet Tech liest Georgies Mikrochip aus

Kaum waren wir ausgestiegen, kam auch schon eine Vet Check-Crew. Die Vet Techs lasen die Mikrochips der Hunde aus, um sicherzustellen, dass nur Hunde am Start waren, die bei der tierärztliche Untersuchung seitens der Rennorganisation etwa zwei Wochen vor dem Rennen überprüft worden waren. Der Besitzer des Cafés vor dem wir parkten, sprach uns an, was wir zu trinken möchten – free coffee für die ganze Lisbet-Crew! Wir luden die Schlitten vom Dach und bereiteten sie für ihren Einsatz vor: Schlittensack und Schneeanker befestigen, Tag Sled anhängen und den Schlittensack mit Sofakissen auspolstern, damit der Iditarider bequem sitzt. Wo waren die Sofakissen? Leider hatten wir durch unser ungewollt enges Zeitmanagement am Morgen vergessen die Sofakissen mitzubringen. Bevor ich das Haus verließ, warf ich noch einen Blick aufs Sofa – die Kissen waren weg. Lisbet hatte sie auf die Bank in der Garderobe gelegt, Sarah sah die Kissen zwar liegen und wunderte sich darüber, wusste aber nichts damit anzufangen. Team work vom Feinsten. Da lagen sie jedenfalls gut. Lisbet gab mir netterweise ihr Kopfkissen, das sie glücklicherweise dabei hatte. Ich stopfte ihr Kissen in einen sauberen Müllsack und legte meinen alten Parka darüber. Die Konstruktion wurde für bequem genug befunden – zumal ich ja selbst in dem Schlitten sitzen würde.

 

 

Kari und Sarah machen Lisbets Schlitten startklar

Kari und Sarah machen Lisbets Schlitten startklar

 

 

Wir luden die Hunde für eine Weile aus, damit sie sich lösen konnten. Dabei zogen wir ihnen gleich die neuen Halsbänder mit den vorschriftsmäßigen Anhängern über. Auf jedem Anhänger stehen die Startnummer und ein Buchstabe. Wenn in Ausnahmefällen der Microchip nicht ausgelesen werden kann, kann der Hund eindeutig über diese Kombination zugeordnet werden. Die Leute von Lisbets Hauptsponsor 3M, fanden sich am Zaun ein. Die Tochter einer der Managerinnen hatte Geburtstag. Lisbet gab ihr und ihrer Mutter zwei der Handler-Armbänder, die man tragen muss, um sich im abgesperrten Bereich bei den Mushern aufzuhalten. Sie genoss ihr Geburtstagsgeschenk sichtlich. Sie hatte es sich gewünscht an ihrem Geburtstag zum Iditarod-Start gehen und war dafür extra mit ihrer Mutter aus Minnesota angereist.

P1080635

Dropped Dogs

 

Die Trucks parken sehr nahe am Zaun und Passanten sollen die Hunde weder füttern noch unbeaufsichtigt streicheln. Es muss auch darauf geachtet werden, dass sich nicht zwei Hunde in die Haare kriegen und gegenseitig verletzen. Das kommt bei Lisbets Siberian Huskies eher nicht vor, aber in der Aufregung weiß man nie. Um derartige Unannehmlichkeiten zu vermeiden, muss auf jeder Seite ein Aufpasser stehen, der die

P1080672

Frigg relaxt in seiner Box

Hunde nicht aus den Augen lässt. Wir luden die Hunde wieder in ihre Boxen, damit wir alles andere in Ruhe vorbereiten konnten. Wir befestigten noch die Gangline am Schlitten und die Schlitten mit einem Quick-Release am Truck. Wir waren soweit startklar, hatten aber noch recht viel Zeit bis wir an der Reihe waren.

 

Um 10 Uhr startet der erste Musher mit der Startnummer zwei, alle anderen folgen im Abstand von jeweils zwei Minuten. Dieses Jahr hatte der Rookie Rob Cooke, ein Engländer, der vor einigen Jahren nach Kanada auswanderte, Startnummer zwei gezogen. Startnummer eins ist für den Gewinner des Junior Iditarod, eines Rennens über 150 Meilen für 14- bis 17-jährige Nachwuchs-Musher, reserviert. Der Champion des Junior Iditarod startet natürlich nur beim Ceremonial Start in Anchorage.

 

Genug Zeit um ein bisschen streunen zu gehen und meine Freundin Laura Allaway und ihr Team, die nur wenige Trucks hinter uns parkten, zu besuchen. Lauras Schwester Lisa und ihr Vater waren angereist um Laura bei ihrem ersten Iditarod anzufeuern. Während des Ceremonial Starts sind die Straßen um die 4th Avenue ein faszinierender – beinahe magischer – Ort! Die erfahrenen Musher nutzen die Gelegenheit um sich den Medien zu präsentieren und mit ihren Fans zu sprechen, die Unerfahrenen versuchen ihre Sachen zu organisieren. Manche sind ziemlich aufgeregt. Auf den abgesperrten Straßen herrscht reges Treiben: unzählige Hunde, die an drop chaines rund um die Trucks ihrer Musher gebunden sind, Musher und Handler, die Schlitten für den Start vorbereiten, Reporter die Musher interviewen, fotografieren und filmen, Vet Check-Teams, die Microchips auslesen oder Urinproben nehmen. Die Mushing-Community ist klein in Alaska und erinnert manchmal an eine große Familie. So treffen viele, die seit Jahren dabei sind ständig auf bekannte Gesichter – eine Unterhaltung hier, eine Umarmung da. Der Ceremonial Start erinnert mehr an ein Festival als an ein ernsthaftes Rennen – ernst wird es erst beim Re-start. Ich genoss es durch die Straße zu schlendern, traf dabei auf Casey, der eifrig Musher interviewte, auf Rodney, der als ITC Handler verschiedenen Mushern half, auf Handler anderer Musher, die ich von früher kannte, und ein paar bekannte Gesichter aus Willow.

 

P1080651

Laura und ihr Vater

P1080653

Lauras Team bereitet den Schlitten vor

P1080668

Maggie und Lauras Schwester Lisa

P1080660

Lisa beaufsichtigt Lauras Hunde neben dem Zaun

P1080643

Reges Treiben in unserer Seitenstraße

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.