Ceremonial Start in Anchorage – Teil 2

Lisbet startete mit ihrer Startnummer 41 um 11.22 Uhr. Wir luden die Hunde wieder aus. Lisbet entschied sich keine Booties zu benutzen. Wir legten den Hunden die Geschirre an und begannen, zwei Minuten bevor wir abgeholt wurden, damit, die Hunde einzuspannen. An der Gang Line befestigten wir nach jedem Paar Tug Lines eine Leine, an der wir das Gespann zur Startlinie führen würden. Ich schnappte mir die letzte Leine vor den Wheel dogs, damit ich einen möglichst kurzen Weg zum Schlitten haben würde. Lisbet führte ihre Leithunde, Sarah nahm eine Leine aus der Mitte des Teams, Lisbets Vater JP stellte sich auf die Kufen von Lisbets Schlitten und Lisbets Mutter Kari sprang auf den Tag Sled. Wir liefen los und bogen in einem großen Bogen in die 4th Avenue ab. Es war eigentlich nicht weit zum Start. Das Team mit Startnummer zwei hat immer den weitesten Weg zur Startlinie, das Team mit der höchsten Startnummer den Kürzesten. Trotzdem kam mir der Weg ziemlich lang vor. Plitsch platsch, durch den Schneematsch! Wir durchquerten riesige Wasserpfützen – Sarah und ich in unseren Mukluks, die dem Wasser nicht lange standhielten. Aber wenn man ein nach vorne drängendes Team mit 12 Hunden führt, kann man nicht einfach irgendwelchen Pfützen ausweichen. Hauptsache nicht ausrutschen – da mussten wir jetzt durch! Nach gefühlt endlosem Stop and Go erreichten wir die Startlinie. Durch die Lautsprecher dröhnte die Stimme des Sprechers, der die Fahrer kurz dem Publikum vorstellt. Wir lösten die Leinen von der Gang Line. Ich eilte zurück zum Schlitten, zog meinen Parka über und setzte mich in den Schlittensack. Kari ging vor zu den Leithunden und stellte sich neben sie. Lisbet übernahm den Schlitten, in dem ich saß. Sarah stellte sich auf die Kufen des Tag Sleds. „Her Iditarider is Francesca Habich from Germany!“, hallt es durch die Lautsprecher – fast richtig. Die Stimme zählt die letzten zehn Sekunden rückwärts herunter. Los geht’s!

Lisbet und ihre Handler Crew in Türkis. Sarah und ich haben die gleiche Lieblingsfarbe - so konnten wir uns aus unserem Fundus ein einheitliches Outfit zusammenstellen - fancy!

Lisbet und ihre Handler Crew in Türkis. Sarah und ich haben die gleiche Lieblingsfarbe – so konnten wir uns aus unserem Fundus ein einheitliches Outfit zusammenstellen – fancy!

 

Auf dem Weg zur Startlinie

Auf dem Weg zur Startlinie

JP und Kari fahren die Schlitten

JP und Kari fahren die Schlitten

Die Zuschauer links und rechts des Trails applaudieren. „Go, Lisbet!“, „Good luck, Lisbet!“, „Have a good time, Lisbet!“, „Be safe out there!“ und viele andere Aufmunterungen sollten uns über weite Strecken des elf Meilen langen Trails begleiten. Die erste 90 Grad Kurve – Lisbet ruft: „Sarah, don’t stand on your drag mat!“ – und schon sind wir um die Ecke. Es geht durch mit Zuschauern gesäumte Straßen, über Waldwege, über große und kleine Brücken. Nachdem wir die Innenstadt verlassen haben, sind die Zuschauer nicht mehr so dicht gedrängt. Trotzdem finden sich immer wieder ganze Gruppen von jubelnden Zuschauern, die die Musher und ihre Teams anfeuern. Manche Gruppen picknicken neben dem Trail und es werden Hot Dogs verteilt. Lisbet reicht mir einen weiter – sie selbst kann keinen essen. Das Risiko, dass ihr der Hot Dog so kurz vor dem Rennen nicht bekommt, ist zu hoch. Wir stoppen, um die Hunde nicht zu überhitzen. Ihnen ist sichtlich warm. Ein anderes Team überholt uns. Ein Mann steht neben dem Trail und bläst lautstark in ein großes Blechblasinstrument, sobald ein Team passiert. Zahlreiche Zuschauer versuchen mit den Mushern abzuklatschen. Unter ihnen finden sich viele Familien mit begeisterten Kindern. Wir durchqueren eine große Pfütze, danach eine scharfe Linkskurve. In der Kurve steht ein Pylon, der vor einem Graben warnen soll. Lisbets Schlitten verpasst ihn knapp. Der Pylon verfängt sich in Sarahs Drag Mat. Sarah bemerkt es einige hundert Meter später und hebt ihre Drag Mat an – weg ist er . Nach einer Kurve steht eine große Gruppe Fans links und rechts neben dem Trail, die eine Art kleine Kuhglocken läutet und lautstark anfeuert. Es geht weiter über einen Schotterweg, auf dem stellenweise kein Schnee liegt. Trail Securities rufen Lisbet zu langsam zu fahren, „ Take it wide and take it slow!“, da wohl schon einige Schlitten in den Telefonmasten gekracht sind, der genau in einer 90 Grad Kurve steht. Lisbet stoppt das Team kurz ein ganzes Stück vor der Kurve und nimmt dann die Kurve mit relativ hoher Geschwindigkeit. Perfekt! Wir kamen dem Masten noch nicht mal nahe. Dann waren wir auch schon auf der Landebahn des Campell Airstrip. Durch Schneematsch und schier endlose Wasserpfützen kämpften sich die Hunde tapfer zur Ziellinie vor.

Durch den Wald

Streckenweise ist nur noch sehr wenig Schnee auf dem Trail

 

Ein anderes Team überholt uns

Ein anderes Team überholt uns

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Kinder, die am liebsten die Hunde streicheln würden

 

 

Wir durchqueren riesige Wasserpfützen

Wir durchqueren riesige Wasserpfützen. Der letzte Pylon in dieser Kurve verfing sich in Sarahs Drag Mat

Durch die Lautsprecher wird die Ankunft von Lisbet Norris mit ihrer Iditariderin Francisca Habich aus Germany angekündigt. Wir überqueren die Ziellinie. JP hilft uns den Weg zum Truck zu finden, wo Kari wartet, um beim Einparken des Teams behilflich zu sein. Kaum ist das Team geparkt, da strecken sich mir auch schon zwei helfende Hände entgegen, die mir aus dem Schlittensack helfen wollen. Lisbet hatte mich während unseres Ritts aufgezogen, dass Iditarider meistens nur alte Leute oder Krebspatienten wären. Ich wollte nicht fälschlicherweise bemitleidet werden! Ich wollte allein aussteigen und lehnte jegliche Hilfe ab. Der Schlitten war sehr glitschig, der Boden auch. Oops, es zog mir die Füße weg und ich lag zur Erheiterung aller auf dem Rücken. Ich musste über meine eigene Dummheit lachen und Lisbet meinte nur „ Why are you just so stubborn?“

Lauras Team parkt neben uns ein

Lauras Team parkt neben uns ein

Wir wässerten die Hunde. Ein älteres Paar kommt auf mich zu: „Bist du aus Deutschland?“ Sie hatten über die Lautsprecher gehört, dass ich aus Deutschland bin und wollten nur kurz Hallo sagen. Das fand ich nett! Deutsche gehen ja bekanntlich Deutschen gerne aus dem Weg, wenn sie auf Reisen sind. Wir luden die Hunde in die Boxen und die Schlitten auf das Dach. Neben uns parkte Lauras Truck, die gerade mit ihrem Vater auf dem Tag Sled vorfuhr. Wir vom Team Anadyr mussten dringend weiter – es gab noch viel zu tun und am nächsten Morgen mussten wir ja in Richtung Fairbanks aufbrechen zum Restart. Nachdem wir noch einige Besorgungen gemacht hatten, stillten wir unseren Bärenhunger bei ihop. Als wir Lisbets zweiten Schlitten zum Flughafen brachten , damit er nach Galena gesendet würde, hielt Dallas Seavy, amtierender Iditarod Champion, neben uns. Auch er wollte seinen zweiten Schlitten raus auf den Trail senden. Wir machten uns auf den Rückweg nach Willow, wo wir noch so viel zu tun hatten.

 

Ankündigung: Ich habe noch weitere Bilder vom Trail, die ich diesem Beitrag anhängen werde. Leider ist es hier in Unalakleet sehr schwierig für mich Zugang zum Internet zu bekommen. Ist in Arbeit!

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