Restart in Fairbanks – Teil 1

Montag, 9. März 2015 – der große Tag. Endlich sollte das Rennen beginnen für das die Musher monatelang trainiert hatten. Als wir aufwachten, war noch lange kein Tageslicht in Sicht. Die Dog-Trucks mussten zwischen 5:00 Uhr und spätestens 7.30 Uhr eingecheckt haben. Ausnahmen würde es ausdrücklich nicht geben und so war es ratsam, sich bei Zeiten auf dem großen Parkplatz, von dem aus die Teams starten würden, einzufinden. Carolyns Haus war zwar nicht all zu weit entfernt vom Start, wir mussten aber trotzdem um 6:00 Uhr losfahren, um auf der sicheren Seite zu sein. Wir krochen also um 5:00 Uhr eine nach der anderen aus unseren warmen Schlafsäcken mit der Aussicht uns der kalten Nacht in Fairbanks zu stellen. Schnell noch Hunde aus- und wieder einladen, damit sie sich kurz lösen konnten und Drop-Chains einpacken. JC, eine Nachbarin Carolyns, kam herüber. Sie würde uns am Start unterstützen. JC quetschte sich auf den kleinen Mittelsitz zwischen Kari und Janet – Abfahrt! Kari drehte den Zündschlüssel. Ein leises Stottern, dann Stille. Sie versuchte es nochmals. Nichts. Das klang nach leerer Batterie. Uns blieb beinahe das Herz stehen. Den Restart verpassen, weil wir es nicht rechtzeitig zum Check-in schaffen? Niemals! Nach dem ersten Schreck rannte Lisbet ins Haus und weckte Carolyn. Kari öffnete die Motorhaube. Wenige Minuten später öffnete sich das Garagentor. Glücklicherweise hatte Carolyn ein Überbrückungskabel zu Hause. Carolyn startete ihren Truck und quetschte sich neben den Dog-Truck. Kari öffnete Carolyns Motorhaube und klemmte das Überbrückungskabel fest. Dann startete sie den Dog Truck erneut. Der Motor gab sofort ein gesundes Brummen von sich. Erleichterung machte sich breit! Carolyn gab uns für alle Fälle ihr Überbrückungskabel mit, dann rollten wir vom Hof.

Kari bringt den Truck wieder zum Laufen

Kari bringt den Truck wieder zum Laufen

 

Die Aktion hatte uns nur gute zehn Minuten gekostet. Wir hatten noch genug Zeit kurz am Safeway Supermarkt zu halten und uns ein kleines Frühstück zu organisieren, zumal der Safeway auf dem Weg lag. Dann reihten wir uns in die Dog-Truck-Schlange, die sich langsam durch die Kontrollen zum Musherparkplatz schob. Kaum hatten wir die Kontrolle passiert, rannte eine der Parkeinweiserinnen vor unserem Truck her und bedeutete uns ihr zu folgen. Wir erreichten die große freie Fläche, auf der die Dog Trucks für den Restart geparkt wurden. Der Parkplatz war natürlich nicht das, was einem bei dem Wort Parkplatz auf Anhieb in den Sinn kommen mag. Es handelte sich vielmehr um eine große Wiese, auf der die dicke Schneeschicht zusammengepresst war und knapp 80 Dog-Trucks Platz fanden. Während des Restarts starten die Schlitten, wie auch beim Ceremonial Start oder anderen Rennen hier in Alaska, direkt von den Trucks aus, deshalb ist eine gute Schneegrundlage auf den Startparkplätzen Voraussetzung. Die Parkeinweiserin hatte nicht weit zu laufen und wies uns in einen der eng bemessenen Parkplätze ein. Unserer Startnummer war der erste Platz nach der Zufahrt zur Wiese zugeteilt worden. Das war gut für uns, weil wir dadurch etwas mehr Platz um unseren Truck zur Verfügung hatten als die meisten anderen Teams. Wir würden zwar den weitesten Weg zur Startlinie haben, waren aber ansonsten sehr zufrieden mit unserem Parkplatz.

 

Draußen war es immer noch dunkel und kalt. Es hatte -18°C. Perfektes Wetter für die Hunde! Da wir noch über 4 Stunden Zeit bis zum Start hatten, beschlossen wir, es uns vorerst einmal im Truck gemütlich zu machen. Wir genossen unser kleines Frühstück, das aus To-Go-Heißgetränken und Gebäck bestand, anschließend hielt Lisbet ein Nickerchen. Janet und ich beobachteten das chaotische Treiben bei unseren Nachbarn. Ihnen entwischte ein Hund, der sich unter ihrem Anhänger verkroch. Nachdem mehrere Handler den Anhänger umzingelt hatten, konnten sie den Hund einfangen und zurück an die Drop-Chain hängen. Die Nachbarn fütterten ihre Hunde. Ein weiterer Hund entwischte, konnte aber genauso schnell wieder angehängt werden. Glück gehabt! Die Sache mit den entwischten Hunden ist nicht zu unterschätzen. Da sie in der Aufregung streunen gehen, andere Teams besuchen oder gar Verkehrsunfälle verursachen könnten. Es begann zu dämmern und wir konnten nach und nach die Konturen der Dog-Trucks, die am anderen Ende des Platzes parkten ausmachen.

 

Um 8 Uhr luden wir die Hunde aus, hängten sie an die Drop-Chains, an Ketten die rund um den Truck befestigt werden, und fütterten sie. Wir achteten darauf, dass die Hunde niemals unbeaufsichtigt waren, während sie an den Drop-Chains hingen. Kaum waren Schüsseln wieder eingesammelt und die Hinterlassenschaften aufgeklaubt, durften die Hunde wieder zurück in ihre Boxen. Sie lieben ihre Strohbetten in den Boxen und freuen sich jedes Mal, wenn sie wieder eingeladen werden – was nicht heißt, dass sie einem nicht aufgeregt entgegenspringen, sobald sie ausgeladen werden. Wir holten Lisbets Schlitten vom Dach und begannen ihn für die lange Reise vorzubereiten. Lisbet überprüfte nochmals die von ihr gewählten Runner-Plastics, eine Art Plastik-Schienen, die unter den Kufen befestigt werden. Die Runner-Plastics unterscheiden sich rein optisch nur farblich, wobei sie aber je nach Temperatur- und Schneebedingungen ausgewählt werden. Kari und Sarah befestigten den Schlittensack diesmal nicht nur provisorisch mit Kabelbindern wie am Restart, sondern fädelten ihn in die dafür vorgesehenen Stricke am Schlitten. Janet und ich luden Lisbets persönliche Sachen aus den Boxen. Auf einmal stand Tabitha hinter mir, die ich von meinem ersten Einsatz im Dropped Dog-Team 2011 kannte. Sie gehörte zu den Vet-Check-Teams am Restart und wollte nur kurz Hallo sagen. Als sie merkte, dass ich gerade beschäftigt war, kündigte sie sich für später nochmal an. Das schöne am Restart ist, dass man so viele bekannte Gesichter trifft – sogar ich, wo ich nicht Teil der großen Musher-Familie bin!

Der Schlitten wird auf seine lange Reise vorbereitet

Der Schlitten wird auf seine lange Reise vorbereitet

 

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