Von Willow nach Fairbanks

Am Sonntag hätte unter normalen Umständen der Restart auf einem See in Willow stattgefunden wie all die Jahre zuvor auch. Heuer aber ist kein normales Jahr. Es gibt kaum noch Schnee. Noch weniger als letztes Jahr – definitiv nicht genug um die Musher in Willow starten zu lassen. So hatte die Rennleitung nach eingehender Prüfung einige Wochen vor dem Rennen beschlossen, den Restart des Iditarod 2015 nach Fairbanks zu verlegen. Dies gab es bisher nur einmal in der Geschichte des Rennens: 2003 fand der Restart aus dem gleichen Grund nach Fairbanks statt. Da es unmöglich war am Samstag einen Ceremonial Start in Anchorage zu halten und das eigentliche Rennen am darauffolgenden Tag um 10 Uhr vormittags im 360 Meilen entfernten Fairbanks zu starten, wurde der Restart von Sonntag auf Montag verlegt. Wir hatten also einen ganzen Tag für die Anreise Zeit.

 

Sonntagvormittag um 10 Uhr wollten wir aufbrechen. Bis dahin gab es noch viel zu tun. Nachdem wir am Samstagnachmittag aus Anchorage zurück gekommen waren, kümmerten Sarah und ich uns um die alltäglich anfallenden Arbeiten und füllten anschließend die Hundehütten und die Boxen des Dog Truck nochmals mit Stroh auf. Wir begannen Lisbets ganze Ausrüstung zusammen zu sammeln und die Hundeboxen, die wir nicht für die Hunde brauchten, mit Gepäck zu beladen. Die Pflichtausrüstung, die in ihrem Schlitten sein musste, wie Axt, Kocher, Booties und Schlafsack und ihre persönliche Sachen, wie Ersatzsocken, -handschuhe, -batterien. Ihre persönlichen Sachen hatte Lisbet zuvor in Kompressionstaschen gepackt, um sie einfacher im Schlitten verstauen zu können und griffbereit zu haben. Wir verstauten Futter für die Hunde, Schlittensack, Beläge für die Kufen, Geschirre, Leinen, Schneeanker in verschiedenen Fächern des Trucks und sicherten den Rennschlitten sauf dem Dach.. Als wir damit fertig waren, spleißte ich noch die Neck Lines und die Tug Lines für die neue Gang Line, mit der Lisbet nach Nome fahren würde. Die Leinen mussten eine ganz bestimmte Länge haben und die Schlaufen an den Enden eine ganz bestimmte Größe. Abweichungen absolut unerwünscht. Anfangs brauchte ich etwas länger. Ich habe während meiner Handler-Karriere zwar schon einige hundert Leinen angefertigt, aber da ich die letzten Leinen ziemlich genau vor einem Jahr gespleißt hatte – Neck Lines und Tug Lines für ihr Iditarod-Team 2014 – war ich, was die Genauigkeit betraf, etwas aus der Übung. Nach den ersten beiden ging es mir dann doch gut von der Hand. Sarah packte währenddessen all ihre persönlichen Sachen zusammen. Sie musste direkt nach dem Restart von Fairbanks aus nach Hause fliegen. Die kanadische Küstenwache hatte sie zurück zum Dienst gerufen. Meine Sachen waren schnell gepackt. Wir würden ja nur eine Nacht in Fairbanks bleiben und so packte ich in erster Linie warme Kleidung ein, da es in Fairbanks etwa -20°C haben würde. Wir alle waren ziemlich müde von unserem langen aufregenden Samstag und nicht traurig darüber unsere Betten zu sehen.

Linea relaxt in ihrer Box

Linea relaxt in ihrer Box

Am nächsten Morgen ging es früh los. Lisbet wässerte die Hunde, ich fütterte das Rennteam mit Snacks und Sarah packte ihre Sachen in den Truck. Wir überprüften nochmal genau, ob alles, was wir brauchen würden, im Truck war und erledigten einige Kleinigkeiten. Ich machte noch ein paar Brie-Sandwiches für uns, dann luden wir die das Rennteam in die Boxen. Kari, JP und Janet, eine befreundete Nachbarin, die einige Hunde vom Anadyr Kennel hatte, fuhren vor. JP würde zuhause bleiben und sich um die Hunde zu kümmern. Janet kam mit uns, um uns in Fairbanks zu unterstützen.

 

So brachen wir auf – girls only! Kari als unsere Fahrerin, Janet als Beifahrerin und hinten drin wir drei Mädels. Nachdem wir in Talkeetna getankt hatten und an einem der für Alaska typischen kleinen Kaffehäuschen unsere Kaffeebecher aufgefüllt hatten, ging es auf dem Parks Highway immer Richtung Norden. Die Fahrt nach Fairbanks dauert 6 – 7 Stunden bei guten Straßenverhältnissen. Nach einer Stunde hielten wir nochmals auf einem geräumten Parkplatz an und luden die Hunde kurz zum Pinkeln aus. Dort bemerkte Kari, dass sie den Tankdeckel in Talkeetna hatte liegen lassen. Wir verschlossen den Tank mit Klebeband und Kari rief an der Tankstelle an. Der Tankdeckel war dort. Sie würden ihn dem nächsten Musher, der Richtung Fairbanks unterwegs war, mitgeben. Alaksa kann sehr klein sein! Eine halbe Stunde später bekam Kari eine Sms von Ramey Smith, dass er ihren Tankdeckel mitgenommen hatte. Becca Moore, die Frau von Iditarod-Veteran Ramey Smith, würde dieses Jahr zum ersten Mal das Iditarod fahren. Gut, dass sie später als wir Richtung Fairbanks aufgebrochen waren. Sarah hatte Cards against Humanity dabei, ein Party-Kartenspiel. Bis auf die Fahrerin spielten wir alle mit. Das Spiel war ziemlich lustig und so hatten auch Kari einiges zu Lachen. Lisbet gewann, ich wurde Vorletzte – trotz Sprachbarriere. Yay!!

Robber auf Reisen

Robber auf Reisen

Gegen 18 Uhr kamen wir in Fairbanks an. Wir luden die Hunde aus, fütterten sie und warteten bis sie sich gelöst hatten. Dabei zogen wir die neuen Halsbänder fest und nahmen die Alten ab. Jeder Hund war jetzt mit einem schönen nagelneuen Halsband mit Reflektor und der Aufschrift „Lisbet Norris“ und Name des Hundes ausgestattet. Es ist sehr wichtig, dass die Halsbänder so fest sitzen, dass die Hunde nicht herausschlüpfen können. Kein Musher möchte, dass sein Hund abhanden kommt, weil er sich aus dem Halsband befreien konnte..

Wir übernachteten bei Carolyn, einer alten Freundin von Kari. Während Kari, Janet und Carolyn Abendessen besorgten, spielten Lisbet, Sarah und ich noch eine Runde Cards against Humanity. Bevor wir zu Bett gingen, ließen wir die Hunde nochmal raus. Morgen würde der große Tag sein!

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