Comeback von Sebastian Schnuelle?

Dieses Wochenende findet in Alaska das bekannte Mitteldistanzrennen Copper Basin 300 statt, dessen Trail sich über 300 Meilen durch die Landschaft des Copper River Valley windet. 48 Musher dürfen an den Start gehen. Die Startplätze sind heiß begehrt und die Wartelisten lang. Einige nutzen das Rennen, um sich für ihre erste Teilnahme an Iditarod oder Yukon Quest zu qualifizieren, andere nutzen es als Trainingslauf. Auch dieses Jahr nehmen wieder zahlreiche Iditarod- und Yukon Quest-Musher daran teil, um sich und ihre Teams für die längeren Distanzen des Yukon Quests und des Iditarods vorzubereiten. Neben den erfolgreichen Musher-Paaren Aliy Zirkle & Allen Moore und Monica Zappa & Tim Osmar sind Veteranen wie Ed Hopkins, Nicholas Petit oder Ray Redington Jr. vertreten. Lisbet Norris und Rob Cooke nehmen mit ihren reinrassigen Siberian Husky-Teams teil. Einer der Mitteldistanzfahrer, der noch keines der großen Rennen gefahren ist, ist der deutschstämmige Olaf Thurau, der mit seiner Frau Diana seit fünf Jahren in Whitehorse, Yukon, lebt. Und dann ist da überraschenderweise noch ein altbekanntes Gesicht. Ein Deutscher, der 2009 den Yukon Quest gewann und ein paar Wochen später hinter einem unschlagbaren Lance Mackey im Iditarod auf den zweiten Platz fuhr: Sebastian Schnuelle.

Sebastian Schnuelle und seine Hunde. Bildquelle: www.adn.com

Sebastian Schnuelle und seine Hunde. Bildquelle: www.adn.com

2009 erreichte er den Höhepunkt seiner Musher-Karriere. Damals fügte sich für ihn alles perfekt zusammen. Nur so ist es möglich, sich gegen die große Konkurrenz durchzusetzen. Um ganz nach vorne zu fahren, muss alles bis ins kleinste Detail passen: die finanzielle Unterstützung, das Handler-Team, das Training, die Rennstrategie und natürlich die Hunde, die zum richtigen Zeitpunkt in Bestform sein müssen. Und es gehört immer auch ein Quäntchen Glück dazu. Für die meisten Musher bleibt das ein Traum. Von den Rennen zu leben, ist selbst für erfolgreiche Musher so gut wie unmöglich.

2011 fuhr Schnuelle sein letztes Iditarod. Er erreichte damals den 6. Platz und damit vier Jahre in Folge eine Platzierung unter den Top 10. Danach zog er sich von den Rennen zurück, um sich seinem Tour-Geschäft zu widmen. Er zog mit seinem Kennel nach Two Rivers um, einer sehr schneesicheren Gemeinde in der Nähe von Fairbanks. Im Winter bot er Touren in Two Rivers an, im Sommer auf einem Gletscher bei Juneau im Südosten Alaskas. Seine Hunde waren etwas in die Jahre gekommen und Nachwuchs gab es damals noch keinen. Schnuelle machte einige vielversprechende Würfe und arbeitete daran sein finanzielles Polster aufzufüllen.

Jetzt äußert sich Schnuelle gegenüber Alaska Dispatch News, dass er 2017 vielleicht noch einmal am Iditarod teilnehmen möchte. Touren böten ihm die Möglichkeit Hunde zu fahren und nebenher auch noch ein anderes Leben zu haben. Rennen erlaubten, wenn man es gut machen wolle, kein anderes Leben. Aber einen zweiten Platz vergisst man nicht so einfach. Das Iditarod hat für Schnuelle nie seinen Reiz verloren. In den letzten Jahren verfolgte er das Rennen auf seinem Motorschlitten – vom Start bis zum Ziel – und berichtete für das Iditarod Trail Committee (die Rennorganisation)auf deren Website. Auch dieses Jahr möchte er wieder mit seinem Schneemobil auf den Trail. Trotzdem sei das nicht dasselbe, sagt er.

Der 45-jährige Musher hat für sich beschlossen, dass er nicht bis ans Ende seiner Tage auf den Schlittenkufen stehen und Rennen fahren möchte, aber da ist noch dieses knapp verpasste Ziel, das er vor Augen hat. Seine Hunde haben das ideale Alter und er ist von ihnen überzeugt. Deshalb möchte er es nächstes Jahr nochmals auf einen Versuch ankommen lassen, um sein großes Ziel zu erreichen. Aber dazu müssen alle Puzzleteile zusammenpassen.

Das Copper Basin 300 war 1998 das erste Rennen, an dem Schnuelle teilnahm. Damals war er schlecht ausgerüstet und kam dem Erfrierungstod ziemlich nahe. Schnuelle hat während seines langen Musher-Daseins viel dazugelernt. Heute ist er in Alaska und darüber hinaus bekannt dafür, dass er besonderes Augenmerk auf das Sozialisieren und Trainieren seiner Hunde legt. Dazu lässt er unter anderem all seine Hunde regelmäßig in sein Haus. 20 Schlittenhunde, die sich innerhalb kürzester Zeit ruhig hinlegen und die Zeit im Haus genießen, sieht man nicht alle Tage.

Quellen:

Website Copper Basin 300

Alaska Dispatch News

 

 

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