Schlittenfahren statt Bikejöring oder Dogscootering

Bedingt durch die relativ guten Schneeverhältnisse und die anhaltende Kälte scheint viele das Schlittenfieber zu packen. Manchmal finden sich dabei sehr grenzwertige Ideen, die gerade Neulinge im Sport auf dumme Gedanken bringen könnten. Aus diesem Grund mal ein paar Anregungen zum Zughundesport vor dem Schlitten.

Keine Frage – Schlittenfahren ist toll! Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen. Aber es ist anders als Dogscooting oder Bikejöring.

 

  1. Der Kraftaufwand, den die Hunde brauchen um einen Schlitten zu ziehen, ist deutlich höher als vor dem Bike oder Scooter, zumal ja meistens kein gespurter Trail zur Verfügung steht, sondern aufgewühlter Schnee auf Feld- und Waldwegen. Das Gewichtsverhältnis zwischen Fahrer und Hund spielt beim Schlittenfahren eine größere Rolle als beim Bikejöring oder Dogscootering. Unterstützen ist wichtig und das heißt auch mal von den Kufen zu springen und einen Berg hoch zu rennen.
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  2. Der Fahrer sollte das Gefährt schon einigermaßen beherrschen, nicht in jeder Kurve umkippen oder vom Schlitten fallen, sobald er die Bremsmatte betätigen will. Die handlebar sollte nicht als Griff dienen, an dem man sich verzweifelt festkrallt, sondern eher bei der Lenkung (handlebar, engl. = Lenker) helfen. Kicksled- oder Kicksparkneulingen kann ich empfehlen vorher mal einen steilen Berg (evtl. Skipiste) ohne Hund hinunter zu fahren – schön mit Bögen, das ist eine gute Übung.
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  3. Bremsen ist wichtiger denn je – entweder mithilfe einer Bremsmatte oder den Schuhsohlen von stabilen Winterstiefeln (Kickspark/Kicksled ohne Bremsmatte). Nie schneller fahren, als dass man auch kurzfristig zum Stehen kommen kann OHNE die Hunde dabei anzufahren – je geübter man ist desto schneller kann man fahren (Hunde nicht überfordern). Achtung: Am Schlitten ist keine Antenne vorne befestigt, die durchhängende Leinen vor dem Überfahren schützt!  Der Job eines Mushers ist es, dass die Leinen straff bleiben und die Hunde ihm blind vertrauen können, dass sie das Gefährt nicht einholt – egal wie steil es ist und wie schnell der Trail ist.
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  4. Das Gefährt sichern! Wenn man stürzt nie die handlebar loslassen, sonst sind die Hunde unter Umständen samt Schlitten weg. Auch wenn sie noch so gehorsam sind, kann es sein, dass sie sich von dem Schlitten außer Kontrolle verfolgt fühlen und in so einer Situation nicht folgen. Wenn man anhält und sich vom Schlitten entfernen muss (z. B. Handschuh verloren), den Schlitten mit einem Schneeanker oder mit einer Leine an einem Baum etc. (Kicksled/Kickspark) sichern. Wenn möglich nur nach vorne weggehen, dann kann man aufspringen, wenn sich das Gespann trotzdem verselbständigen sollte und einem entgegenkommt. Alternative Zugleinen abmachen und erst wieder anspannen, wenn’s weitergeht

 

Alpinski oder Snowboard sind ungeeignete Alternativen, da sie erstens über Stahlkanten verfügen, die dem Hund gefährlich werden können, und zweitens das Unterstützen der Hunde doch deutlich erschweren (insbesondere Snowboard). Das ist bestenfalls für eine Gaudirunde geeignet, die mit relativ hohem Risiko für den Hund verbunden ist, hat aber mit Zughundesport nichts zu tun.

Ebenso wenig sind Kinderschlitten geeignet. Kinderschlitten haben keine Bremse, keine wirkliche Lenkung (die Bedingungen sind anders als beim Rodeln) und man kann den Hund damit nicht unterstützen. Natürlich kann man seine Kinder auf den Schlitten packen und den Hund davor spannen, wenn man diesen an der Leine führt (Vorsicht auf abschüssigen Wegen wegen fehlender Bremse). Aber auch das ist kein Zughundesport in Anlehnung ans Dogscootering oder Bikejöring.

Nicht jeder Haushund, der gerne vor dem Fahrrad oder Scooter läuft ist für den Sport vor dem Schlitten geeignet. Wichtig ist, dass Mensch UND Hund am Schlittenfahren Freude haben.

Für Interessierte bietet der SSVB (Schlittenhundesportverband Bayern) einen Kurs zur Schlittenfahrtechnik an.

Kickspark

Gustav und Raven vor dem Kickspark

 

Raven und Gustav in Alaska

Zum Vergleich: Gustav und Raven in einem 7er Team bei einem unserer Streifzüge in Alaska. Das Gewichtsverhältnis zwischen Schlitten und Hunden ist ganz anders als bei unseren Kicksparkausflügen in Deutschland

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