Änderung einer Rennregel bringt Doping-Skandal an die Öffentlichkeit

Die positiven Urinproben im Doping-Test beim Iditarod 2017 wurden nicht sofort nach Erhalt der Ergebnisse Anfang April an die Öffentlichkeit getragen. Vielmehr wurden alle Informationen dazu bis vor Kurzem vom Vorstand des Iditarod Trail Commitee (ITC) zurückgehalten. Erst die Pressemitteilung über einer Änderung im Regelwerk des Iditarod am 9. Oktober brachte den Stein ins Rollen.

Die Änderung der Rennregel #39 wurde damit begründet, dass mehrere Hunde aus dem Team eines Mushers im Iditarod 2017 positiv auf eine verbotene Substanz getestet wurde, wobei das ITC jedoch nicht nachweisen konnte, dass die Substanz von diesem Musher mit Absicht verabreicht wurde. Weiterhin erklärte das ITC, dass es aufgrund der prekären Situation den Namen des betroffenen Mushers nicht veröffentlichen würde.

Bislang konnte die Rennregel #39 so ausgelegt werden, dass das ITC bei einem Doping-Verdacht nachweisen musste, dass ein Musher eine verbotene Substanz seinen Hunden absichtlich verabreichte. Konnte das ITC diese Absicht nicht belegen, konnte der Musher nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Nach der neuen Regelung liegt die komplette Beweislast für seine Unschuld bei Doping-Verdacht beim betroffenen Musher. So muss in Zukunft der Musher einen unabhängigen Untersuchungsausschuss durch eindeutige Beweisführung davon überzeugen, dass ein positives Doping-Test-Ergebnis komplett auf Ereignissen beruht, die sich seiner Kontrolle entziehen.

Die Rennregel #39 wurde um drei Punkte erweitert, die die neue Vorgehensweise bei einem Doping-Verdacht detailliert festlegen. Diese neue Regelung wurde in der Mushing Community mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Teilweise wird befürchtet, die neue klare Regelung könnte unter Umständen zur Sabotage animieren, da es den Mushern bei einem Rennen wie dem Iditarod nicht möglich ist ihre Hunde rund um die Uhr zu beaufsichtigen (mehr Informationen hier).

Ist jedoch die Regeländerung allein ausreichend, um weiterhin ein faires Rennen zu gewährleisten? Damit die neue Rennregel #39 gerecht und sinnvoll umgesetzt werden kann, muss sich das ITC überlegen, wie es während der Ruhephasen der Musher sicherstellen kann, dass deren Hunden keine Substanzen durch Dritte verabreicht werden können. Weiterhin sollte ein Musher nur Zugang zu seinen eigenen Food Drop Bags haben und diese in den Checkpoints nicht rund um die Uhr unbeaufsichtigt im Freien stehen. Um derartig große Sicherheitslücken zu schließen, müssten entweder weitere freiwillige Helfer an den Checkpoints und in Nome zur Verfügung stehen, die die rastenden Gespanne beaufsichtigen und die Food Drop Bags ausgeben oder alternativ zahlreiche Überwachungskameras für die Zeit des Rennens installiert werden. Beides würde einen enormen Mehraufwand und ein Mehr an Kosten bedeuten.

Durch die Regeländerung passt sich das ITC passt anderen Sportarten an, in deren Reglements der Rechtsgrundsatz „In dubio pro reo“ schon seit langem umgekehrt hat:  im Zweifel fällt das Urteil nicht für den Sportler, sondern er soll seine Unschuld beweisen, was kaum beinahe unmöglich ist – erst recht nicht, wenn es sich dabei um Doping von Schlittenhunden handelt, die sich selbst nicht dazu äußern können, wie eine verbotene Substanz in ihre Urinproben gelangt sind.

Bisherige Regel #39 aus den Rennregeln des Iditarod 2017:

Die Rennregel #39 zum Doping Schlittenhunden aus dem Regelwerk für das Iditarod 2017.

Die Rennregel #39 zum Doping Schlittenhunden aus dem Regelwerk für das Iditarod 2017.

Erweiterte Regel #39 für das Iditarod 2018:

Iditarod Race Rules 2018 - Veterinary Issues & Dog Care: #39 Drug Use, S. 11

Iditarod Race Rules 2018 – Veterinary Issues & Dog Care: #39 Drug Use, S. 11
Iditarod Rennregel zur Anwendung von bestimmten Substanzen beim Hund (Anti-Doping-Paragraph)
Quelle: http://d3r6t1k4mqz5i.cloudfront.net/wp-content/uploads/2011/12/2018-RACE-RULES-10-06-17-Rev1.pdf?x86326

Iditarod Race Rules 2018 - Veterinary Issues & Dog Care: #39 Drug Use, S. 12

Iditarod Race Rules 2018 – Veterinary Issues & Dog Care: #39 Drug Use, S. 12
Iditarod Rennregel zur Anwendung von bestimmten Substanzen beim Hund (Anti-Doping-Paragraph)
Quelle: http://d3r6t1k4mqz5i.cloudfront.net/wp-content/uploads/2011/12/2018-RACE-RULES-10-06-17-Rev1.pdf?x86326